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Marcel Proust

1871
Marcel Proust wird am 10. September im noblen Pariser Stadtviertel Anteuil geboren. Der Vater ist Arzt, die Familie lebt in großbürgerlichen Verhältnissen. Obwohl die politische Situation in Paris nach den Deutsch-Französischen Krieg und dem Aufstand der Pariser Kommune angespannt ist, wächst Marcel in einer geruhsamen Atmosphäre auf. Neben dem Haus in Paris hält sich die Familie auch in den Ferienorten Chatre und Cabourg auf.
1881 Marcel Proust hat seinen ersten schweren Asthmaanfall. 
1882-1889  Marcel besucht das renommierte Gymnasium Lycée Condorcet. Sein Lehrer Maxime Gaucher erkennt früh sein Talent. In der Oberprima erhält Proust den "Prix d´honneur de Philosophie", den Ehrenpreis der Philosophie. Außerdem beschäftigt er sich schon in der Schulzeit mit Kunst und Literatur und liest die wichtigsten Autoren der Epoche des "Fin de Siècle", die eine Epoche des Verfalls der bürgerlichen Gesellschaft beschreiben. Hierzu gehören Nietzsche und Verlaine.
Er verfasst Artikel für Schülerzeitschriften und besucht die Pariser Salons von Mme. Émile Strauss und Mme. Arman de Caillavet.
1889  Nach dem Abschluss des Lycée dient Marcel Proust als Freiwilliger im 76. Infanterieregiment, das in Orléans stationiert ist. 
1890  Marcel Proust tritt in die Ècole de Sciences politiques ein. Er hört Albert Sorel, Anatole Leroy-Beaulieu und Albert Vandal hört. An der Sorbonne belegt er die Vorlesungen von  Henri-Louis Bergson, der 1927 den Nobelpreis für Literatur erhalten wird - für sein Hauptwerk "Schöpferische Entwicklung". 
1892  Bei einem Aufenthalt in Trouville entstehen "Violante ou la Mondanité". Seine Krankheit verschlimmert sich zeitweilig. Proust veröffentlicht Prosastücke in der 1892  gegründeten Zeitschrift "Le Banquet". 
1893  Bei Madeleine Lemaire lernt Marcel Proust den exzentrischen Grafen und Kunstsammler Robert de Montesquiou kennen. 
1894  Proust lebt im Sommer in Trouville. Im Herbst beginnt die Dreyfus-Affäre. Hauptmann Alfred Dreyfus wird Oktober verhaftet, aufgrund gefälschter Beweise zur Verbennung verurteilt, und im Dezember auf die Teufelsinsel Cayenne vor Französisch-Guayana gebracht. Hintergrund des Justizskandals ist eine Gruppe von Antisemiten um den Major Esterházy, die im Kriegsministerium eine Intrige gegen den Juden Dreyfus gesponnen hatte.
1895
Unbezahlt arbeitet Proust als Assistent an der Mazarin-Bibliothek. Er erhält den Universitätsabschluss "License des Lettres". Währenddessen beginnt er mit der Arbeit an der Novelle "Jean Santeuil", die unvollendet bleibt.
1896  Im renommierten Verlag Calmann-Lévy erscheint das erste Werk von Marcel Proust, "Les Plaisiers et les Jours". Die erste deutsche Übersetzung wird 1926 unter dem Titel "Tage der Freuden" herausgegeben. Die Illustrationen zum Buch stammen von Madeleine Lemaire. Zum Text von Proust hat der Komponist Reynaldo Hahn eigene Lieder geschrieben.  Das Buch, ein Gesamtkunstwerk aus Text, Bild und Komposition, erscheint in einer sehr luxuriösen Ausgabe. Nachdem der Kritiker Jean Lorrain in der Presse herablassende Bemerkungen gemacht hatte, findet im Februar 1897 in La Tour ein Duell zwischen Proust und Lorrain statt. Das Duell wird mit Pistolen ausgetragen. Nach einer Anekdote haben heide Duellanten absichtlich vorbeigeschossen. Als Proust seinem Duellpartner danach die Hand geben wollte, dabei aber von seinem Sekundanten beiseite gezogen wurde.
1898  Im Februar findet der Prozeß gegen den Schriftsteller Émile Zola statt. Zola hatte unter dem Titel "J´accuse - ich klage an" einen offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten geschrieben, um sich für den zu Unrecht verurteilten Alfred Dreyfus einzusetzen. Marcel Proust unterstützt Èmile Zola in seinem Engagement für Alfred Dreyfus.
1904  Marcel Proust unternimmt eine Segeltour entlang der bretonischen Küste. Danach setzt er sich für den Erhalt verfallender Kirche ein.
1905 Marcel Proust beginnt mit einen großen Teil seines Hauptwerkes "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Das Mammutwerk, an dem er bis zu seinem Tod arbeitet, umfasst sieben Bücher. Bekannt ist die Stelle "Tee mit Madeleine". Die Madeleine ist ein französisches Gebäck. Der Geschmack einer in Tee getunkten Madeleine erinnert den Erzähler an seine Kindheit.
1906  Proust veröffentlicht seine Übersetzung von John Ruskins "Sesame and Lilies". Nach dem Tod seiner Eltern lebt Proust  am berühmten Pariser Boulevard Haussmann.  
1909  Der erste Teil von "Swanns Welt" entsteht, Proust gibt das Manuskript an seine Freunde Reynaldo Hahn und Georges de Lauris, damit sie es prüfen. 
1912
Proust nimmt am Theatrophon teil, einem Voräufer des Rundfunks. Das 1881 erstmals in Paris vorgestellte System diente der Übertragung von Opern- und Theateraufführungen über das Telefon, und wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts immer populärer. Proust hört Wagner und Debussy
1913  Proust verlegt auf eigene Kosten das Buch "Swanns Welt" in einem kleinen Verlag "Grassart" an. Die renommierten Verlage wollten das Buch nicht drucken. Trotzdem berichten einige Zeitungen schon von der Veröffentlichung von des Buches.
1914
Die 1901 gegründete, angesehen Literaturzeitschrift "Nouvelle Revue Francaise" berichtet über "Swanns Welt", und druckt sogar Auszüge. Im Ersten Weltkrieg wird das Erscheinen der Zeitschrift aber unterbrochen. Der Tod von Alfred Agostinelli, dem Lebenspartner von Marcel Proust, stürzt ihn in Depressionen.  
1919  Marcel Proust erhält den "Prix Goncourt", den wichtigsten französischen Literaturpreis, für das Buch "Im Schatten junger Mädchen".  
1921  Der zweite Band der "Guermantes" und der erste Band von "Sodom und Gomorrha" erscheinen. Während Proust das Musée du Jeu de Paume besucht, leidet er an Schmerzen.
1922  Der zweite Band "Sodom und Gomorrha" erscheint. Kurz vor seinem Tod führt Proust noch einen Briefwechsel mit dem deutschen Literaturkritiker Ernst Robert Curtius, der seine Bedeutung für den modernen Roman erkennt. Marcel Proust stirbt am 18. November in Paris nach einer Bronchitis.
1923  "La Prisonniére" (die Gefangene) erscheint in zwei Bänden. Professor Robert Proust, der Bruder von Marcel Proust, übernimmt die Herausgabe weiterer Werke.
  Literatur:
Ralf Nestmeyer: Französische Dichter und ihre Häuser. Frankfurt am Main 2005; Mauriac Claude: Proust. Hamburg 1958.
 

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