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Georges Clemenceau |
1841 | Georges Clemenceau wird am 28. September in Mouilleron-en-Pareds im französischen Departement Vendée geboren. Die Eltern sind Anhänger der Republik und Gegner des Kaiserreichs. |
1858-1865 |
Clemenceau studiert Medizin in Nantes und Paris. In Paris gründet er seine erste Zeitung "Le Travail". Später folgen weitere Blätter, auch die im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre bekannte Zeitung "L'Aurore". |
1865 |
Clemenceau geht in die USA, wo er als Journalist und Lehrer arbeitet. |
1869 | Hochzeit mit Mary Plummer. |
1870 |
Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges. Mit der Niederlage Frankreichs endet die französische Monarchie. Clemenceau kehrt wieder nach Paris zurück. Am 5. September 1870 wird die Dritte Republik ausgerufen, und Clemenceau Bürgermeister von Montmartre. Das Viertel Montmartre zählt zu dieser Zeit zu den ärmsten Gebieten von Paris. |
1871 | Am
18. Januar 1871 erfolgt im Spiegelsaal
von Schloss Versailles die Kaiserproklamation von Wilhelm I.
Auf
französischem Boden ist damit das Deutsche Reich
gegründet. Federführend ist der
preußische
Ministerpräsident Bismarck.
Am 8. Februar wird Clemenceau Abgeordneter der Radikalsozialisten in der Französischen Nationalversammlung. Dort stimmt er gegen den Friedensvertrag mit dem Deutschen Reich. Vom 18. März bis 28. Mai 1871 regiert in Paris der revolutionäre Stadtrat der "Pariser Kommune". Zu den Unterstützern zählen Intellektuelle und Künstler wie der Schriftsteller Arthur Rimbaud. Clemenceau versucht zwischen den Kommunarden und der mehrheitlich konservativen Nationalversammlung zu vermittlen. Aus Protest gegen die Niederschlagung der Pariser Kommune tritt er am 27. März als Abgeordneter und als Bürgermeister von Montmartre zurück. |
1876 |
Clemenceau wird erneut in das Parlament gewählt. Er ist Wortführer der Linken. |
1892 | Der Schriftsteller Émile Zola schildert die Niederschlagung der Pariser Kommune in seinem Roman "Der Zusammenbruch". |
1893 | Wegen Verwicklungen in einen Finanzskandal im Zusammenhang mit dem Bau des Panamakanals tritt Clemenceau als Abgeordneter zurück. |
1897 | Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus
wird Oktober verhaftet. Aufgrund gefälschter Beweise wird er
zur
Verbannung verurteilt, und im Dezember auf die Teufelsinsel
Cayenne vor Französisch-Guayana gebracht.
Hintergrund
des Justizskandals ist eine Gruppe von Antisemiten um den Major
Esterházy, die im Kriegsministerium eine Intrige gegen den
Juden
Dreyfus gesponnen hatte. Dreyfus gilt als Vaterlandverräter zu
Gunsten Deutschlands. Im selben Jahr
gründet Clemenceau gründet die Zeitung "L'Aurore". |
1898/99 | Zola schreibt unter
dem Titel
"J´accuse - ich
klage an" einen offenen Brief an den französischen
Staatspräsidenten
Félix Faure, um sich für Alfred
Dreyfus einzusetzen. Der Brief von Zola löst in Frankreich eine heftige Debatte aus. Èmile Zola wird noch im selben Jahr vom Kriegsminister und privaten Unterstütztern verklagt. Wegen „Diffamierung“ wird er zu einer Geld- und Haftstrafe verurteilt. Zola flieht nach London. Clemenceau setzt sich in seiner Zeitung "L'Aurore", aber auch auf politischer Ebene, für eine Wiederaufnahme des Prozesses um Dreyfus ein, und ebenso für Zola. Mit seinem Engagement in der Dreyfus-Affäre rehablilitiert Clemenceau auch sein eigenes Ansehen. |
1902 | Als Senator wird Clemenceau Mitglied des Oberhauses. |
1804 | Frankreich und England schließen am 8. April 1804 das Bündnis der "Entente cordiale" (Herzliches Einverständnis). Ziel ist die Vermeidung von Konflikten bei der Gründung von Kolonien in Afrika. |
1906-1909 | Clemenceau
wird zunächst Innenminister, dann Ministerpräsident.
Er baut die
französische Vormacht
in Marokko aus, was zu Spannungen mit Deutschland führt. Kaiser
Wilhelm II.
möchte Deutschland nach dem vorbild von England und Frankreich
zur Kolonialmacht ausbauen. Innenpolitisch erreicht Clemenceau die Trennung von Staat und Kirche. |
1914 | Ausbruch des Ersten Weltkriegs. |
1917 | Am 16. November wird Clemenceau von Staatspräsident Raymond Poincaré zum Ministerpräsidenten und Kriegsminister ernannt. Er erhält nahezu diktatorische Vollmachten. Um den Krieg siegreich zu beenden, lässt er jegliche Opposition niederschlagen. |
1918 | Unter Hindenburg fordert das deutsche Militär Verhandlungen mit den Kriegsgegnern. Im März 1918 schließt das Deutsche Reich im Vertrag von Brest-Litowsk einen Separatfrieden mit Russland. Im Westen werden die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne am 11. November 1918 eingestellt. Grundlage ist der 14-Punkte-Plan von Woodrow Wilson. |
1919 | Am 19. Februar 1919 wird Clemenceau vom
Anarchisten Émile Cottin angeschossen. Nach seiner
Genesung begnadigt er den zum Tode Verurteilten zu einer
Gefängnisstrafe. Im Schloss von Versailles finden als Folge des Waffenstillstands von Compiègne die eigentlichen Friedensverhandlungen statt. Clemenceau besteht auf der Festschreibung der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands, und setzt harte Bedingungen durch, die im Gegensatz zu Wilsons 14-Punkte-Plan stehen. Die Deutschen unterzeichnen unter Protest am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles den Vertrag. Deutschland muss hohe Reparationen bezahlen. Elsaß-Lothringen wird wieder an Frankreich zurückgegeben, das Saargebiet dem Völkerbund unterstellt. Die Kohleerträge aus dem Saargebiet erhält Frankreich. Das Rheinland wird militärisch besetzt. |
1920 | Clemenceau ist Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten, als Nachfolger Raymond Poincarés. Er wird aber nicht gewählt, und zieht sich verbittert aus der Politik zurück. |
1929 | Georges Clemenceau stirbt am 24. November 1929 in Paris. |
Literatur: Fuchs, Günther / Henseke, Hans: Georges Clemenceau. Eine politische Biographie. Berlin 1983. Leonhard, Jörn: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. München 2014. |