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Ulrike Meinhof |
Steckbrief: Ulrike Meinhof lebte von 1934 bis 1976. Stichworte zum Lebenslauf von Ulrike Meinhof: Andreas Baader, RAF (Rote Armee Fraktion) und APO (Außerparlamentarische Opposition). Kurze Zusammenfassung der Biographie: Der Weg von Ulrike Meinhof führte über den Journalismus zur Gründung der RAF, die den Staat mit Terror bekämpfte. | |
1934 |
Am 7. Oktober 1934 wird Ulrike Marie Meinhof geboren. Sie stammt aus gutbürgerlichem Hause. Die Eltern, Dr. Werner Meinhof und Dr. Ingeborg Meinhof, sind Kunsthistoriker. Der Vater arbeitet ab 1936 als Direktor des Stadtmuseums in Jena. |
1939 | Tod des Vaters. |
1945 | Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Familie Meinhof lebt im Ostteil Deutschlands, der SBZ (Sowjetische Besatzungszone). |
1946 | Die Familie Meinhof zieht nach Westdeutschland. Ulrike Meinhof besucht das Gymnasium ihrer Geburtsstadt Oldenburg. |
1948 | Tod der Mutter. Ulrike Meinhof wächst mit ihrer älteren Schwester unter der Vormundschaft von Renate Riemeck auf, die später als Professorin Geschichte und Politische Bildung lehrt, und zu dieser Zeit noch der SPD nahe steht. Ulrike wird früh politisiert, sie kommt mit den Ideen des Pazifismus und Marxismus in Kontakt. |
1956 |
Ulrike Meinhof beginnt an der Uni Marburg mit dem Studium von Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik, im Folgejahr wechselt sie an die Uni Münster, wo sie sich gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr einsetzt. |
1957 | Gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr protestieren im "Göttinger Manifest" vom 12. April 1957 deutsche Atomphysiker, darunter auch die Nobelpreisträger Otto Hahn und Werner Heisenberg. Otto Hahn hatte durch seine Entdeckung der Spaltbarkeit von Urankernen durch Neutronenbestrahlung an der die Entwicklung der Atombombe erst ermöglicht. Die SPD organisiert 1958 die Kampagne "Kampf dem Atomtod", für die sich auch Ulrike Meinhof einsetzt. |
1958-1959 |
Ulrike Meinhof tritt dem SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) bei, der damals noch von der SPD dominiert wird. 1959 finden Flügelkämpfe innerhalb des SDS statt. Ulrike Meinhof, die in der Zeitschrift "Konkret" eine Kolumne schreibt, wird auf Druck der SPD aus dem SDS ausgeschlossen. Sie hatte sich für Verhandlungen mit der DDR eingesetzt. |
1960-1964 |
Ulrike Meinhof ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Konkret", von 1964-1969 schreibt sie nur noch Kolumnen für das Blatt |
1961 | Hochzeit mit dem Herausgeber der Zeitschrift "Konkret", Klaus Rainer Röhl. 1962 bringt Ulrike die Zwillinge Bettina und Regine zur Welt. |
1968 | Ulrike Meinhof zieht nach Westberlin. Sie arbeitet als Journalistin für das Fernsehmagazin "Panorama". Für den Südwestfunk schreibt sie das Drehbuch für das Fernsehspiel "Bambule", in der sie Kritik an der Heimerziehung von straffälligen Jugendlichen mit dem Klassenkampf vermischt. Mit ihrem Ehemann Klaus Rainer Röhl hat sie sich privat und beruflich überworfen. |
1969-1970 | Ulrike Meinhof ist Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der FU Berlin (Freie Universität Berlin). |
1970 | Der Weg in den Terrorismus beginnt. Unter dem Vorwand,
mit dem wegen Brandstiftung Inhaftierten Andreas Baader ein Buch
schreiben zu wollen, wird dieser am 14. Mai 1970 in das
Institut für Soziale Fragen gebracht, und mit Waffengewalt
befreit. Der Institutsangestellte Georg Linke wird angeschossen. Die
Ausstrahlung des Films "Bambule" wird von der ARD abgesetzt. Im
Juni flüchtet Ulrike Meinhof zusammen mit Gudrun
Ensslin, Andreas Baader und anderen Sympathisanten nach
nach Jordanien. Bei der palästinensischen Gruppe "Fatah"
erhalten sie eine Ausbildung
für den bewaffneten Kampf. Die RAF hat sich formiert. Nach der
Rückkehr verübt die Gruppe zunächst
Banküberfälle, um sich zu finanzieren. Es folgen
Sprengstoffanschläge. |
1971 | Ulrike Meinhofs Pflegemutter, die Professorin Renate Riemeck, ruft 1971 in der Zeitschrift "Konkret" unter dem Titel „Gib auf, Ulrike!" zum Ende des bewaffneten Kampfes der RAF auf. |
1972 | Im Mai verübt die RAF
Anschläge in Frankfurt, Augsburg, Karlsruhe, beim
Springer-Verlag in Hamburg und im US-Hauptquartier in
Heidelberg. Im Juni wird Ulrike Meinhof festgenommen und in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf inhaftiert. Beim Überfall des Terrorkommandos "Schwarzer September" auf die Olympiamannschaft Israels gehört Ulrike Meinhof zu den Gefangenen, die freigepresst werden sollen. Sie tritt sie mit anderen RAF-Gefangenen in den Hungerstreik - um die Haftbedingungen zu erleichtern, und um den Kampf und die Ziele der RAF medienwirksam in die öffentlichen Diskussion zu tragen. |
1974-1975 | Der Generalbundesanwalt erhebt Anklage
gegen Ulrike Meinhof, Andreas
Baader, Gudrun Ensslin, Holger Meins und Jan Carl
Raspe. Ulrike Meinhof wird wegen Mordversuchs bei der Baader-Befreiung im Jahr 1970 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, und im Gefängnis Stuttgart-Stammheim inhaftiert. Am 9. November 1974 stirbt der sich im Hungerstreik befindende Holger Meins in der JVA (Justizvollzugsanstalt) Wittlich trotz Zwangsernährung.1975 folgen die Hauptprozesse gegen die Mitglieder der RAF. Vier Morde, 39 Mordversuche und sechs Sprengstoff-Anschläge und mehrere Banküberfälle werden der Gruppe zur Last gelegt. |
1976 | Am 9. Mai wird Ulrike: Meinhof wird am Fenstergitter erhängt in ihrer Zelle aufgefunden, nach Angaben der Gefängnisleitung hatte sie Selbstmord begangen. Von Sympathisanten der RAF wird der Selbstmord in Frage gestellt - sie vermuten einen staatlichen Auftragsmordes geworden. Andererseits waren auch innerhalb der RAF Spannungen aufgetreten. Ulrike Meinhof wird am 15. Mai auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Westberlin bestattet. |
Literatur: Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof Komplex. Hamburg 1985. - 3. Auflage. erweitert und aktualisiert 2008. Brückner, Peter: Ulrike Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Berlin 1976; Röhl, Bettina: So macht Kommunismus Spaß. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret. Hamburg 2006. |